In meinen Träumen nehme ich mich manchmal in einer erweiterten Form wahr.
Ich fühle zwar, dass ich noch ein Ichbewusstsein habe, jedoch ist mein Wissen größer und eine Weisheit vorhanden, die ich im Wachzustand nur sehr beschränkt bei mir vorfinde. Oft bin ich auf eine Art und Weise in meinen Träumen unterwegs und erlebe das, was ich sehe und fühle, wie durch den Blick einer anderen Person. Dann lösen sich meine gewohnten Strukturen auf und ich wohne einem anderen Wesen inne, sehe fremde Welten durch seine Wahrnehmung, ohne aber selbst in Aktion treten zu können. Völlig fremdartige Konstrukte, Räume und Vegetationen, Ebenen von unfassbarer Weite und Schönheit breiten sich vor „mir“ aus.
Einmal wurde ich so weit in den Raum katapultiert, dass eine Art Kraft mir durch sieben unendlich große Gebilde auf einer speziellen Dimension der Wahrnehmung die sieben Essenzen der energetischen und materiellen Existenz näher brachte. Diese Ebenen waren unterteilt in Klang, Bewegung und Energie, eine bestand aus der Essenz der Gedanken, womit morphische Felder gemeint sind, eine andere existierte in Form der reinen Struktur des Kosmos, welche die Materie entstehen lässt, wieder eine andere aus Licht, eine weitere aus Zeit und die letzte war das große Nichts, das den Kontrast zum Sein bildet. Es ging also nicht nur um das, was ist, sondern gleichzeitig handelte es sich auch um die Gegenwelt hinter dem Spiegel, die das eigene Gegenteil in sich beinhaltet, das größte kosmische Paradoxon, das je existierte bzw. nicht existierte.Dieselbe Kraft war es auch, die mir mittels eines geheimnisvollen, aus dem Unterbewusstsein meines Wesens destillierten Ortes eine ganz besondere Welt zeigte, die in ihrer wahren Form meinen menschlichen Verstand gesprengt hätte. Sie zog mich wie ein blinder Passagier durch eine jener unendlichen Ebenen, die ich bereits durch andere Reisen vage in meiner Erinnerung abgespeichert hatte. Es schienen Tage zu vergehen, in denen ich nichts anderes tat als im „Körper“ einer fremden Existenz durch die merkwürdigsten Seinsformationen und Ebenen zu hasten. Völlig erschöpft erreichte ich schließlich den Fuß einer Erhebung mit der inneren Gewissheit, dass wir nun am Ziel wären. Der Körper meines Wirtes schleppte sich mühsam diesen Felshang hoch und der Blick, der sich mir dort oben bot, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Die merkwürdigsten Formen organischer und struktureller Natur zogen sich über ein gigantisches, weißes Massiv, als ob diese Räume und Türme direkt aus dem Stein gewachsen wären. In der Mitte prangte eine gewaltige Öffnung, eingerahmt in die formvollendete Stilisierung eines Tores, aus dem sich ein majestätischer Wasserfall ergoss, und jede Faser meines Seins bebte angesichts dieses machtvollen Portals, dessen Präsenz nicht nur durch seine unglaubliche Größe betäubend war. Was durch diese „weiße Stadt“ – so nannte ich sie – personifiziert wurde, war eine Ebene, die einem lebenden Wesen nicht erreichbar war, so lange es lebte.Eine unbeschreibliche Sehnsucht, die Grenzen dieser Ebene zu übertreten und mich in dieser lichten Schönheit aufzulösen, brachte mich öfters in meinen nächtlichen Reisen an jene Pforten zurück. Ich spürte diese unendliche Kraft, die kurz davor war, meinen Geist zu sprengen, aber niemals konnte ich über die geheimnisvolle Schwelle treten. Immer blieb ich außen an den Toren und konnte mich nur nach dem Inneren sehnen. Ich erinnere mich, wie ich einem Freund einmal von meinem Traum erzählte. Er hielt verblüfft den Atem an, kramte in seinen Schubladen, bis er ein altes Notizbuch hervorholte und es durchsuchte, um mir dann eine Skizze zu zeigen, auf der er diese Stadt gezeichnet hatte. Das erschütterte mich ganz tief in meiner Seele – er hatte sie also auch gesehen! Da war ich mir endgültig darüber im Klaren, was diese Stadt zu bedeuten hatte. Eines Tages werde ich ihre Tore zusammen mit unzähligen anderen Wesen passieren, die ihre Reise dann ebenso wie ich beendet haben werden. Für sie wird es vielleicht keine weiße Stadt sein, für viele mag sich das anders darstellen, aber das Ziel wird letztendlich für uns alle dasselbe sein.

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